Regelwerkstatt 2013

Regelwerkstatt 2013

Das Grundsätzliche dazu.


 

Was unterscheidet Golf von allen anderen Sportarten – und was müssen wir tun, um diese Einzigartigkeit zu erhalten?

Die meisten Golfer genießen ihren Sport unter anderem als ´Spiel in der freien Natur´. Dabei darf man das mit der freien Natur jedoch nicht zu genau nehmen: Golf findet zwar im Freien und meist in schöner Umgebung statt, aber Anlage und Betrieb eines Golfplatzes unterliegen vielen Vorgaben und Vorschriften, die die freie Enfaltung der Natur erheblich in Schranken halten.

Aber auch davon abgesehen ist ein Golfplatz nicht mit Geländen für andere Freiluftsportarten zu vergleichen wie z.B. Tennis oder Fußball. Die sind mit einer überschaubaren Menge von Vorschriften leicht zu normieren, was die Zahl der möglichen unterschiedlichen Spielsituatio-nen erheblich eingrenzt. Das wiederum hat zu Folge, dass die Zahl der Spielregeln, die für diese Sportarten notwendig sind, nicht groß sein muss. Außerdem ist das jeweilige Spielge-lände so überschaubar, dass für die Spielüberwachung ein einziger, speziell ausgebildeter Schiedsrichter ausreicht. Der einzelne Spieler braucht keine exakte Regelkenntnis, und vor allem trägt er für die Einhaltung der Regeln keine Verantwortung: Ein Regelverstoß wird nur dann geahndet, wenn der Schiedsrichter ihn bemerkt.  

Beim Golfspiel ist die Lage grundlegend anders, und das führt zu weitreichenden Problemen:

Ein Golfplatz ist sehr vielgestaltig. Er lässt sich zwar gut in allgemeinen Kategorien beschreiben (Gelände, Hindernis, Hemmnis usw.), vor Ort hat es der Spieler aber mit vielen sehr unterschiedlichen Gegebenheiten zu tun (Bodenbeschaffenheit, Bewuchs, Lage des Balles usw.), die im Zusammenwirken erhebliche Schwierigkeiten verursachen können. Für jede dieser außerordentlich vielfältigen Situationen muss aber genau geregelt sein, welche Möglichkeiten für die Fortsetzung des Spiels zulässig sind. Und das führt unausweichlich zu einem Regelwerk, das so umfangreich und kompliziert ist wie bei keiner anderen Sportart.

Damit Golf als faires Wettspiel betrieben werden kann, muss gewährleistet sein, dass diese Regeln auf der gesamten Runde und bei jedem Schlag exakt eingehalten werden. Die Kontrolle durch einen zentralen Schiedsrichter ist unmöglich, da an vielen voneinander entfernten Stellen gleichzeitig gespielt wird. Jeden Flight oder gar jeden Spieler von einem Aufseher begleiten zu lassen, ist aus praktischen Gründen undurchführbar. Deshalb bestimmt das Regelwerk, dass – außer bei besonderen Spielen auf Verbandsebene oder höher - jeder Spieler selbst die ausschließliche Verantwortung für die Einhaltung der Regeln trägt, also sein eigener Schiedsrichter ist.
Es ist ein ziemlich weit verbreiteter Irrtum, dass im Wettspiel der von der Spielleitung benannte Zähler Schiedsrichterfunktion hat. Der Zähler ist aber lediglich Protokollant und muss das notieren, was der Spieler ihm sagt. (Als einziges Zeichen dafür, dass er die Angaben des Spielers für unrichtig hält, kann er seine Unterschrift auf der Zählkarte verweigern).  Natürlich kann der Spieler, wenn er unsicher ist, den Zähler wie auch jeden anderen nach seiner Auffassung über die anwendbare Regel befragen. Entscheiden aber, wie er spielt, muss er allein.

Allerdings sind mit einem ausgedehnten Regelwerk (die Golfregeln samt den Entscheidungen in schwierigen Fällen füllen ein Buch von mehr als 1000 Seiten!) und der Beförderung jedes Spielers zum Schiedsrichter über sein eigenes Spiel die oben aufgeführten Probleme zu-nächst nur formal gelöst. In der Spielrealität müssen zwei unabdingbare Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Jeder Spieler muss über eine sichere Regelkenntnis verfügen – zum Allermindesten in den  Situationen, die mehr oder minder täglich vorkommen können.

2. Jeder Spieler muss in allen Situationen ohne Ausnahme den Fairnessgedanken (spirit of the game) vor jede Versuchung stellen, sich regelwidrig einen Vorteil zu verschaffen. Jeder Spieler weiß, wie schwer es immer wieder ist, auch in Situationen, in denen man sich für unbeobachtet hält, gegen jeden noch so kleinen Regelverstoß stabil zu bleiben und im Ernstfall sogar gegen sich selbst eine Strafe zu verhängen. Alle müssen sich darauf verlassen können, dass jeder sich den Regeln entsprechend verhält. Davon lebt das Spiel! Jeder Spieler, der sich nicht an die Regeln hält, bedeutet eine Gefahr für die allgemeine Bereit-schaft, es mit den Vorschriften genau zu nehmen.

Die Spielmoral ist Teil des allgemeinen Anstands und dem entsprechend nicht durch Anord-nung zu verbreiten. Sie ist am besten zu fördern, wenn die Mehrheit sich korrekt verhält. Appelle sind nützlich, Strafen bei Verstößen sind notwendig. Die größte Wirkung hat das gute Beispiel.

Korrektes Verhalten beim Golf setzt aber unabdingbar die genaue Kenntnis der Regeln voraus. Und daran muss man das ganze Golferleben lang arbeiten. Immer wieder muss man sich aufraffen, Neues zu lernen, Altes aufzufrischen. 

Dem soll die im letzten Rundschreiben angekündigte Aktion dienen, die zunächst für die kommende Saison geplant ist: Alle Spielgruppen unseres Clubs erhalten eine Sammlung von Merkblättern, auf denen jeweils zu einem Thema die wesentlichen Bestimmungen zusammengefasst sind, die im Regelwerk häufig an ganz unterschiedlichen Stellen stehen. Der Text jedes Merkblattes ist in der Länge so gehalten, dass er bequem in eineinhalb bis drei Minuten gelesen werden kann.

                                                                                                                                             © Jörn Roth